StartseiteGeschichte

Ursprünglich war das Plateau am Seefelder Sattel ein spärlich besiedeltes Moorgebiet. Ob die dort gefundenen Pfahlbaureste genauso alt sind wie die am vergleichbaren Federsee, ist unklar.[14][15] Der über die Hochfläche verlaufende Saumpfad wurde im zweiten Jahrhundert n. Chr. unter Septimius Severus zur Römerstraße befestigt und führte als Via Raetia von Bozen (Pons Drusi) über Veldidena (Innsbruck-Wilten) nach Augusta Vindelicorum (Augsburg). Für die Zeit Theoderichs des Großen schildert Cassiodor in seinen Variae die im Inntal ansässigen Breonen als Grenzwache am Scharnitzpass.[16]

Mittelalter

Durch das 763 gegründete Kloster Scharnitz bei Mittenwald war die Gegend auf dem Plateau als Scharnitzwald bekannt. Im Jahre 1022 wird in einer Urkunde des Stiftes Wilten zum ersten Mal eine Siedlung namens „Sevelt“ erwähnt.

Mit dem Bau einer Brücke über den Inn durch die Grafen von Andechs um das Jahr 1170 begann der Aufstieg Innsbrucks zum Handelsplatz und die Wiederbelebung der alten Fernstraße als Via Imperii. Mönche des Klosters Benediktbeuern siedelten ab etwa 1180 auf der Hochfläche Bauern an, nachdem sie ein Waldgebiet von den Andechsern geschenkt bekommen hatten und roden ließen. Zur Sicherung der Handelsstraße (im Jahr 1239 war das Stadtrecht Innsbrucks urkundlich verbrieft worden) wurde 1248 an der Engstelle im Norden der Siedlung am damaligen Schlossberg (♁Lage) eine Burg errichtet, deren Pfleger die Niedere Gerichtsbarkeit innehatte.

Die Verleihung des Wegbaues „in die Scharnitz“ an die Stadt Innsbruck (also die Erhaltung der Straße gegen Wegzoll) im Jahr 1332[17] brachte Seefeld das Niederlagsrecht: es wurde ein Ball(en)haus errichtet und Seefeld wurde Station des Rodfuhrwesens an der „unteren Straße“ (die „obere Straße“ führte über Fernpass und Reschenpass).[18] Der Bergbau zur Gewinnung des Tiroler Steinöls wurde erstmals 1350 urkundlich erwähnt. Der Sage nach handelte es sich dabei um Blut des Riesen Thyrsus, es wurde darum auch unter dem Namen Dürschöl verkauft und die Händler nannte man Dirschler.[19]

Am Gründonnerstag 1384 soll sich das Hostienwunder von St. Oswald ereignet haben.[20] Die Legende berichtet, dass der Ritter Oswald Milser, damals Pfleger auf Burg Schlossberg, in seinem Hochmut vom Pfarrer die Kommunion in Form der großen Hostie, wie sie dem Priester vorbehalten ist, verlangte. Sobald die Hostie seine Zunge berührte, versank er bis zu den Knien im Boden. Der Ritter bereute seine Tat und auf der Hostie zeigten sich blutige Male.[21][22] Dieses Ereignis war Auslöser für eine viel besuchte Wallfahrt, die auch von den Landesfürsten gefördert wurde. Der Ansturm der Pilger war so groß, dass Herzog Friedrich IV. 1423-31 eine größere Kirche erbauen ließ.[23] Die blutige Hostie wurde noch bis ins 20. Jahrhundert gezeigt und verehrt.[24]

Um 1430 benutzten bereits 6500 Frachtwagen pro Jahr den Weg über Seefeld.[25] Herzog Siegmund der Münzreiche veranlasste, dass der am Schlagbaum am Südende des Dorfes erhobene Wegzoll an die Seefelder Pfarre ging und nicht mehr an die Landesregierung. Außerdem ließ er einen etwa 30 ha großen, um das Jahr 1808 wieder trockengelegten See anlegen, nach dem das Seekirchl benannt ist. Der künstliche Damm des Ablass- oder Kreuzsee genannten Gewässers (♁Lage) wurde erst 1975 beim Bau des Sport- und Kongresszentrums abgetragen.

Neuzeit

Der im Jahr 1480 erfolgte Ausbau des Kunterswegs zur Fahrstraße ermöglichte es Siegmund dem Münzreichen, nach Streitigkeiten mit Venedig die bedeutenden Bozner Märkte ab 1487 nach Mittenwald zu verlegen. In der Folge nahm der Verkehr über den Seefelder Sattel stark zu und auch die 1485 erfolgte Gründung einer Faktorei der Fugger in Innsbruck trug dazu bei, dass der Weg von Augsburg über Seefeld, Innsbruck und den Brenner nach Verona zu einer wichtigen Handelsstraße und Pilgerroute aufstieg und die „obere Straße“ weit in den Schatten stellte. So ist „Seefelt“ auch als Station auf der Romweg-Karte des Erhard Etzlaub aus dem Jahr 1500 verzeichnet und Martin Luther übernachtete auf dem Rückweg von Rom im März 1511 in Seefeld. Die Fertigstellung der Kesselbergstraße bei Kochel am See im Jahre 1495 verbesserte die Anbindung nach München, das 1506 mit dem Primogeniturgesetz zur alleinigen Hauptstadt Bayerns wurde.

Um die einnahmeträchtige Wallfahrt zu erhalten und zu fördern, stiftete Siegmunds Nachfolger Maximilian I. den Bau eines Klosters. Dessen Bau dauerte von 1516 bis 1604 und nach Fertigstellung wurde die Abtei Augustinermönchen übergeben. Neben Holzwirtschaft (im Jahr 1785 besaß das Kloster 750 Morgen Wald)[26] und Fischerei (im Jahr 1782 wurden aus dem Kreuzsee sechzehn Zentner Fische abgefischt)[27] wurde ein Hospiz und eine Brauerei betrieben und vom mehr oder minder erfolgreichen Hopfenanbau auf den moorigen Böden während der Kleinen Eiszeit bekamen die Seefelder ihren regionalen Spitznamen „Höpfeler“.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) blieb Seefeld von Zerstörungen verschont, nicht zuletzt aufgrund der 1633 errichteten Grenzbefestigung Porta Claudia am Scharnitzpass. Nachdem Erzherzog Leopold V. bei einem Jagdausflug im Jahr 1628 vom „wundertätigen Kruzifix“ erfahren hatte, stiftete er die Errichtung einer Kapelle.[28] Als deren Standort wurde die im Stausee befindliche Felseninsel gewählt und bis 1632 wurde das Seekirchl nahezu fertiggestellt, die Gestaltung des Innenraums zog sich jedoch bis 1666 hin. Die Wallfahrt nahm wieder zu, bis zu 12.000 Pilger kamen im Laufe eines Jahres nach Seefeld.[20]

1664 wurde durch Vertrag zwischen dem Grafen Thurn und Taxis und dem bayrischen Kurfürsten Ferdinand Maria ein neuer Postkurs der Reichspost von München über den Seefelder Sattel nach Innsbruck eingerichtet. Die Rückverlegung des Mittenwalder Marktes nach Bozen im Jahr 1679 und der Niedergang Augsburgs als Wirtschaftszentrum in Folge des Dreißigjährigen Krieges ließ den Warenverkehr jedoch abebben. Tirol war dafür mittlerweile ein Zentrum der Kanarienvogelzucht geworden und im 18. Jahrhundert entwickelte sich zwischen Innsbruck, Augsburg und Nürnberg ein reger Handel.[29]

Viel Aufsehen erregte im Mai 1783 eine acht Tage lang dauernde, öffentlich durchgeführte Teufelsaustreibung an einem 15-jährigen Ötztaler Bauernmädchen in Seefeld.[30] Über zweitausend Schaulustige, die auch aus Mittenwald, Reutte und Telfs angereist waren, verfolgten die Prozedur. Im Jahr zuvor hatte der aufklärerisch orientierte Joseph II., der Klöster als „Quellen des Aberglaubens und des religiösen Fanatismus“ ansah,[31] mit der Aufhebung „unnützer“ Klöster begonnen.[32] Am 11. Juli 1783 erklärte ein Hofdekret die Aufteilung des salzburgisch-tiroler Verbandes der Augustinerklöster,[33] so dass sich der nun entstandene Tiroler Verband neu formieren musste. Das Kloster Seefeld, das damals fünfzehn Patres, einen Kleriker und vier Laienbrüder umfasste, wurde bei der Neuorganisation der Seelsorge als entbehrlich befunden und am 6. März 1785 aufgehoben.[34] Im Spätsommer 1785 verließen die Mönche Seefeld.[35]

Das Stift Stams übernahm die Seelsorge und kaufte im Jahr 1800 die Immobilien des verlassenen Klosters für 27.000 fl.. Nach der Einnahme der Porta Claudia am 4. November 1805 durch die französischen Truppen unter Marschall Michel Ney und General Louis Henri Loison im Dritten Koalitionskrieg lagerten 800 Soldaten im Ort und plünderten Kirche und Kloster. Nachdem Tirol im Frieden von Pressburg am 26. Dezember 1805 an das Kurfürstentum Bayern abgetreten worden war, wurde die Säkularisation auch auf das neuerworbene Staatsgebiet ausgedehnt und das nun endgültig ehemalige Kloster im März 1808 für 23.000 fl.an zwei Bürger in Seefeld verkauft. Danach wurden in den Gebäuden Gasthäuser und zwei Brauereien betrieben. Während des Tiroler Volksaufstands brannten Soldaten am 31. Juli 1809 den Pfarrhof, das Posthaus und 14 Wohngebäude nieder[36] und nutzten die Kirche, die wie das ehemalige Kloster stark beschädigt worden war, als Pferdestall.

Neben Flachsproduktion und Holzernte war das Sammeln von Ameiseneiern und deren Verkauf auf dem Innsbrucker Markt als Futter für die dort gehandelten Kanarienvögel eine nennenswerte Einnahmequelle.[37] Auch Torf wurde wegen des vergleichsweise guten Brennwerts abgebaut.[38] 1845 begann mit der Gründung der I. tirolischen Asphaltgewerkschaft am Gießenbach die Industrialisierung der Steinölbrennerei und Asphaltherstellung. Dies stellte sich als ertragreich heraus, so dass Erzherzog Maximilian von Österreich-Este das nach ihm benannte Hüttenunternehmen bei Seefeld finanzierte. Die Hoffnung, mit der ab 1858 betriebenen Destillation des gefragten Lampenbrennstoffs Petroleum große Gewinne zu machen, zerschlug sich mit dem wenig später importierten, günstigeren Petroleum aus Erdöl. Die industrielle Produktion wurde aufgegeben und ab Mitte der 1860er Jahre wurde die Steinölbrennerei wieder handwerklich von Ortsansässigen betrieben.[39] Ab 1884 wurde dann mit der Sulfonierung des Steinöls der Grundstein für die Vermarktung unter dem Namen Ichthyol gelegt.

Durch den Bau der Bahnstrecke zwischen Rosenheim und Innsbruck 1858 sowie der Brennerbahn 1867 verlor die Straße über den Seefelder Sattel an Bedeutung. Überregional wurde die Gegend durch Hermann von Barths 1874 erschienenes Buch „Aus den Nördlichen Kalkalpen“ bekannt und 1876 gab es bereits autorisierte Bergführer für Seefeld.[40] Die Arlbergbahn sorgte ab 1884 für eine Zunahme des Fremdenverkehrs, so dass Seefeld im Herbst 1885 bereits unter den besuchtesten Ortschaften genannt wird.[41] Im Mai 1891 wurde von der Post eine tägliche Omnibusverbindung von Zirl über Seefeld nach Partenkirchen eingerichtet, 1897 kam eine private Linienverbindung hinzu.[42][43] 1898 errichtete man die Nördlinger Hütte, 1908 das Karwendelhaus. In demselben Jahr wird Seefeld auf einer Ansichtskarte als „sehr beliebter Sommerfrischort am schönen Gebirgssee“ beschrieben, zwei Stunden von der Bahnstation Zirl entfernt und „Ausgangspunkt der Partie nach Leutasch und ins bayrische Oberland“. Dennoch arbeiteten die Seefelder zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast ausschließlich in der Land- und Forstwirtschaft, im Fuhrwerksverkehr und im Bergbau zur Herstellung und Verkauf von Steinöl.

20. Jahrhundert

Der Bau der Mittenwaldbahn 1912 verbesserte die Anbindung Seefelds weiter. In der Folge und nach dem Ersten Weltkrieg nahm der Tourismus seinen Aufschwung, nicht zuletzt durch die gute Erreichbarkeit aus München. In den 1920er Jahren stieß das Skifahren auch außerhalb der Berge auf immer größeres Interesse und der Winter entwickelte sich zur zweiten Urlaubssaison. Mehrere Skischulen wurden gegründet, deren prominentester Skilehrer der mehrfache Skiweltmeister Anton Seelos war.

In den 1930er Jahren war Seefeld nach Innsbruck der Ort in Tirol mit den meisten Nächtigungen.[44] Von 200.000 Übernachtungen im Jahr 1932 gingen über 176.000 auf deutsche Urlauber zurück (Innsbruck: 407.000 und 183.000) und in der Wintersaison 1932/33 waren von 13.000 Touristen über 12.000 aus Deutschland. Umso härter wurde Seefeld von der Tausend-Mark-Sperre getroffen: im Winter 1933/34 kamen nur noch 1.200 Gäste, davon 24 (!) aus Deutschland und die Anzahl der Nächtigungen 1934/35 sank auf 125.000. Nach dem Verbot der NSDAP in Österreich trafen sich deren ortsansässige Anhänger unter dem Deckmantel des Turnvereins Jahn[45] und beim „Anschluss“ Österreichs am 12. März 1938 überschritten die deutschen Truppen auch bei Seefeld am frühen Morgen die Grenze.

Danach entwickelte sich - nicht zuletzt aufgrund der Weltmeistertitel von Anton Seelos - der Tourismus wieder und Seefeld wurde auch als Tagungsort genutzt, so zum Beispiel für ein Anfang November 1942 veranstaltetes „Physikerlager“, bei dem die Quantenmechanik und die „weltanschaulichen Auswirkungen der Relativitätstheorie“ unter Teilnehmern wie Bruno Thüring, Wolfgang Finkelnburg, Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizsäcker diskutiert wurden.[46][47] Nach den beiden Luftangriffen auf Innsbruck im Dezember 1943 wurden die dortigen Kliniken zum Teil nach Seefeld verlegt.[48]

Am 28. April 1945 erreichte im Rahmen sogenannter „Evakuierungstransporte“ ein Zug mit rund 1.700 jüdischen Häftlingen aus dem KZ Dachau Seefeld. Die Bahnstrecke war in Reith unterbrochen, so dass die Gefangenen zu Fuß weiter ins Inntal marschieren sollten. In Mösern erreichte die SS-Bewacher der Befehl des Gauleiters Franz Hofer zum Umkehren, so dass am nächsten Tag der Großteil der Gruppe zum Rückweg nach Seefeld gezwungen wurde, um mit dem Zug wieder nach Mittenwald transportiert zu werden. Einige Häftlinge überlebten die Strapazen nicht und die Toten wurden außerhalb des Ortes auf dem Gelände des späteren Waldfriedhofs bestattet.[49]

Bereits 1946 fanden wieder Skirennen statt - am Gschwandtkopf bestand bereits ein Lift - und in den 1950er Jahren entwickelte sich Seefeld zum gut besuchten Urlaubsort, nicht zuletzt durch Werbefahrten der Musikkapelle nach Italien, Belgien und die Niederlande. Seefeld wurde als Filmmotiv genutzt („Ja, ja, die Liebe in Tirol“) und 1960 wurde die Seilbahn auf das Seefelder Joch errichtet. Die 1948 in Grins gegründete Landwirtschaftliche Fachmittelschule wurde 1950 nach Seefeld verlegt und bestand als Höhere Bundeslehranstalt für alpine Landwirtschaft bis ins Jahr 1956, als sie nach Raumberg umzog.

Internationale Bekanntheit erlangte Seefeld, das bisher vom alpinen Skisport geprägt war, im Jahr 1964 als Austragungsort der nordischen Disziplinen der Olympischen Winterspiele in Innsbruck. Seefeld wurde durch eine Ortsumfahrung vom Durchgangsverkehr entlastet und 105 Sonderzüge der Karwendelbahn brachten 53.000 Reisende in den neu erbauten Bahnhof.[50] Auch bei den Spielen 1976 fanden die Nordischen Wettbewerbe hier statt.[51] In deren Vorfeld erhielt die Seefelder Straße Richtung Scharnitz 1974 eine breitere, flachere Trasse und der Schlossberg mit Burgruine wurde abgetragen. Im Jahr 1985 war Seefeld der Schauplatz der Nordischen Skiweltmeisterschaften.

Der in der Snowboardszene sehr bekannte Air & Style Snowboard Contest wurde in den Jahren 2000 bis 2004 in Seefeld ausgetragen, seit 2004 findet im Ort der Doppelweltcup der Nordischen Kombination statt. Im Mai 2013 bewarb man sich um die Ausrichtung der Nordischen Ski-WM 2019.[52]

Bei den im Jänner 2012 erstmals veranstalteten Olympischen Jugend-Winterspielen wurden die Sportarten Biathlon, Skispringen, Langlauf und Nordische Kombination in Seefeld ausgerichtet. Dies machte Seefeld und Innsbruck zum dreimaligen Olympia-Gastgeber.

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